Corona-Virus in den Flüchtlingslagern_Ausland

 

In Lagern in Libyen sind Geflüchtete unter katastrophalen humanitären und Umständen zusammengesperrt. Dem Corona-Virus ausgeliefert sind aber auch Millionen in den Flüchtlingscamps der Türkei, des Libanon, Jordaniens. Die dt. Flüchtlingsbehörde hat jetzt alle Mitarbeiter*innen aus humanitären Programmen im EU-Ausland abgezogen.

Die Situation in den u Aufnahmelagern in Griechenland ist wegen Überfüllung katastrophal. Ca. 2.380 mit Corona Infizierte aus „der Risikogruppe“ sollen von den Inseln aufs Festland gebracht werden (m.bild.de, 28.4.2020).

 

Corona-Virus in den Flüchtlingslagern_Deutschland

Die geltenden Ausgangsbeschränkungen sind natürlich auch für Geflüchtete in den Gemeinschaftsunterkünften bindend – vor allem die räumliche Distanz von 1,5 m zu anderen einzuhalten. Seit dem 20.4.2020 ist es auch in Bayern erlaubt, sich mit einer Personen außerhalb des eigenen „Hausstandes“ zu treffen. Erlaubt ist es, einkaufen, zum Arzt oder spazieren zu gehen.
In den Unterkünften um Landsberg a. Lech wird darauf hingewiesen: „Ausgangssperre. Die Strafe ist 2 Jahre oder 25.000 Euro“. Gibt es einen Infektionsfall, stehen alle Heimbewohner*innen unter Quarantäne! So bereits geschehen am 27. März 2020 in Landshut.

Auch, wenn Situation und Informationsmöglichkeiten der Bewohner*innen in den diversen Unterkünften unterschiedlich sind, haben alle dasselbe Problem:
Der verordnete Abstand von 1,5 m zu anderen Menschen ist nicht einzuhalten. Die Unterbringung in Mehrbettzimmern – auch jetzt noch 3-4 Personen, z.B. in Dachau - , die gemeinsame Nutzung von Toiletten, Duschen, Waschmaschinenräumen, Küche (oder manchmal auch Abholung des Essens in langen Schlangen), keine Desinfektionsmittel – all das konterkariert nicht nur die Einhaltung der Vorschriften, sondern erhöht natürlich die Infektionsgefahr immens. (taz, 2.4.2020)

 

Der Bayerische Flüchtlingsrat hat deshalb am 2. April 2020 gegen das bayerische Innenministerium (und die diversen bayrischen Regierungen) einen Strafantrag wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gestellt.

' INFOS

·       Informationen in 15 Sprachen enthält die Broschüre des Ethno-medizinischen Zentrums (Hannover):http://corona-ethnomed.sprachwahl.info-data.info/

·       Zum „Vollzug des Infektionsschutzgesetzes“ gehört natürlich auch, dass Ehrenamtliche die Unterkünfte nicht mehr betreten dürfen.

·      Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert Innenminister Joachim Herrmann auf, schnell für Abhilfe für den „Infektionsbrandherd Flüchtlingslager“ zu sorgen.
Es gebe viele leerstehende Unterkünfte für die Unterbringung in Einzelzimmern. Außerdem könnten leerstehende Hotels angemietet werden. (Pressemitteilung 2.4.2020).

  • Bekannt ist:
    In einer Unterkunft in Puchheim stehen alle 20 Asylbewerber unter Kontrolle:  Sie erhalten kein Geld mehr zum Einkaufen, bekommen das Essen geliefert. Dagegen hat es von einigen „heftigen Widerstand“ gegeben, die Polizei musste eingreifen. Der Bürgermeister von P. hat darauf hingewiesen, dass die Geflüchteten verlegt worden seien, ohne dass ihnen der Grund mitgeteilt worden sei (www.merkur.de 28.4.2020).

 

In Gröbenzell sind 19 Geflüchtete in einer Unterkunft in Quarantäne (www.merkur.de 28.4.2020).

In Salzweg (Lkr. Passau) sind alle Geflüchteten eines Asylbewerberheims in Quarantäne, weil 41 von 89 Bewohner*innen mit Corona infiziert sind. Die Bevölkerung wurde erst nach einem „spektakulären“ Polizeieinsatz informiert (BR 24, 29.04.2020)

·       Um beurteilen zu können, ob die die Mitteilung des Bayr. Staatsministeriums zum Umgang mit Corona auch die Geflüchteten erreicht, welche Erfahrungen es gibt etc. hat die Grüne Landtagsabgeordnete Gülseren Demirel am 25.3.2020 eine Umfrage an die Verwaltungen und Sozialbetreuungen der Unterkünfte geschickt – mit der Bitte um Rückmeldung aus der Praxis.
Alle aktuellen Anträge, Antworten der Staatsregierung, Infos etc. sind zu finden unter  
https://guelseren.de

 ·       Am 7.4. hat Gülseren Demirel ein webinar Schutz und Chance. Lagebericht zur Situation Geflüchteter zu Zeiten von Corona  in Bayern gehalten; Teilnahme mit Fragen war möglich. Ein Mitschnitt sowie alle aktuellen Anträge, Antworten der Staatsregierung, Infos etc. sind zu finden unter https://guelseren.de.

·       In Sachsen hat ein Geflüchteter gegen seine Unterbringung in „Massenunterkünften“ geklagt, da „sein Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und damit sein Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht berücksichtigt würde.“ Die Klage war erfolgreich, gilt aber nur für den einen Klagenden und ist nicht allgemeingültig. Das Land will gegen den Beschluss vorgehen (taz, 28.4.2020).

 

 

·       Einen Bericht über die Auswirkungen der Quarantäne findet sich u.a. in spiegel-online, 9.4.2020 unter
https://www.spiegel.de/panorama/coronavirus-im-fluechtlingsheim-keiner-rein-keiner-raus