Corona-Virus in den Flüchtlingslagern_Ausland

 

In Lagern in Libyen sind Geflüchtete unter katastrophalen humanitären und Umständen zusammengesperrt. Dem Corona-Virus ausgeliefert sind aber auch Millionen in den Flüchtlingscamps der Türkei, des Libanon, Jordaniens. Die dt. Flüchtlingsbehörde hat jetzt alle Mitarbeiter*innen aus humanitären Programmen im EU-Ausland abgezogen.

Die Situation in den u Aufnahmelagern in Griechenland ist wegen Überfüllung katastrophal. Ca. 2.380 mit Corona Infizierte aus „der Risikogruppe“ sollen von den Inseln aufs Festland gebracht werden (m.bild.de, 28.4.2020).

 

Corona-Virus in den Flüchtlingslagern_Deutschland

Auch, wenn Situation und Informationsmöglichkeiten der Bewohner*innen in den diversen Unterkünften unterschiedlich sind, haben alle dasselbe Problem:
Der verordnete Abstand von 1,5 m zu anderen Menschen ist nicht einzuhalten. Die Unterbringung in Mehrbettzimmern, die gemeinsame Nutzung von Toiletten, Duschen, Waschmaschinenräumen, Küche (oder manchmal auch Abholung des Essens in langen Schlangen), keine Desinfektionsmittel – all das konterkariert nicht nur die Einhaltung der Vorschriften, sondern erhöht natürlich die Infektionsgefahr immens. (taz, 2.4.2020)

 

Der Bayerische Flüchtlingsrat hat deshalb am 2. April 2020 gegen das bayerische Innenministerium (und die diversen bayrischen Regierungen) einen Strafantrag wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gestellt.

Das Robert-Koch-Institut hat in einer aktuellen Umfrage festgestellt, dass die Ansteckungsgefahr in Flüchtlingsunterkünften besonders hoch ist: auf einen Ausbruch sind 21 Neuangesteckte zurückzuführen; "zu Hause" werden pro Ausbruch 3.2 Personen angesteckt (n-tv.de/wissen, 22.08.2020).

 

Ende Juli 2020 hat die bayrische Regierung neue Regeln für Flüchtlingsunterkünfte beschlossen: Asylbewerber sollen vor jeder Verlegung in eine andere Einrichtung verdachtsunabhängig getestet werden. Gleiches gilt für jeden Arztbesuch in den Ankerzentren.

Wird eine Person positiv getestet, wird die gesamte Einrichtung für mindestens 14 Tage unter Quarantäne gestellt – in dieser Zeit darf die Unterkunft auf keinen Fall verlassen werden. Aufgehoben wird die Quarantäne erst, wenn bei einem weiteren Test kein Bewohner mehr positiv ist. Die Zeit der Quarantäne kann sich also teilweise über viele Wochen erstrecken. Die ohnehin sehr schwierige Wohnsituation wird damit erheblich verschärft.

 

Die Auswirkungen auf Kinder – kein Spielzeug, kein Computer, kein Garten, kein Zugang zu Internet oder Drucker – sind besonders katastrophal, s.: „Kein Ort für Kinder“ unter https://www.aerztliche-anzeigen.de/hefte/2020.

 

 

Caritas und bayrischer Flüchtlingsrat kritisieren das als diskriminierend: „Warum werden bei Asylunterkünften alle Bewohner unter Quarantäne gestellt?", während in anderen Einrichtungen, etwa in Pflegeheimen, jene Menschen isoliert werden, die sich infiziert haben. (BR24, 3.8.20)

 

' INFOS

·       Informationen in 15 Sprachen enthält die Broschüre des Ethno-medizinischen Zentrums (Hannover):http://corona-ethnomed.sprachwahl.info-data.info/

·       Zum „Vollzug des Infektionsschutzgesetzes“ gehört natürlich auch, dass Ehrenamtliche die Unterkünfte nicht mehr betreten dürfen. 

 

·       Um beurteilen zu können, ob die die Mitteilung des Bayr. Staatsministeriums zum Umgang mit Corona auch die Geflüchteten erreicht, welche Erfahrungen es gibt etc. hat die Grüne Landtagsabgeordnete Gülseren Demirel am 25.3.2020 eine Umfrage an die Verwaltungen und Sozialbetreuungen der Unterkünfte geschickt – mit der Bitte um Rückmeldung aus der Praxis.

 ·       Am 7.4. hat Gülseren Demirel ein webinar Schutz und Chance. Lagebericht zur Situation Geflüchteter zu Zeiten von Corona  in Bayern gehalten; Teilnahme mit Fragen war möglich. Ein Mitschnitt sowie alle aktuellen Anträge, Antworten der Staatsregierung, Infos etc. sind zu finden unter https://guelseren.de.

·       In Sachsen hat ein Geflüchteter gegen seine Unterbringung in „Massenunterkünften“ geklagt, da „sein Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und damit sein Recht auf körperliche Unversehrtheit nicht berücksichtigt würde.“ Die Klage war erfolgreich, gilt aber nur für den einen Klagenden und ist nicht allgemein gültig. Das Land will gegen den Beschluss vorgehen (taz, 28.4.2020).