Diskriminierung von Helfer*innen

 

Das „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ sieht vor, eine Behinderung einer Abschiebung zu bestrafen. Als Behinderung gilt z. B., einen von Abschiebung Bedrohten über Ort und Zeitpunkt seiner Abschiebung zu informieren. Das betrifft Behördenmitarbeiter*innen – vermutlich nicht Helferkreise. ABER:

Der Chef des BAMF befürwortet, dass Initiativen etc., besonders „selbst ernannte Flüchtlingsräte“, die Abschiebetermine an Betroffene weitergeben, strafrechtlich verfolgt werden. Konkret sind das nach Seehofers Plänen bis zu drei Jahre Haft. Der CDU Innenpolitiker Mathias Middelberg fordert, Flüchtlingsräten etc., die Abschiebungen behindern oder verhindern, staatliche Unterstützung zu streichen. Die 16 Flüchtlingsräte der Bundesländer sind Mitglieder von Pro Asyl. (taz 22.03.+29.03.2019)

Die Verschärfungen betreffen bereits seit 2018 das u Kirchenasyl. (taz 29.03.2019)

 

  INFO Asyl in der Kirche, Vorstandsmitglied Lukas Pellio:

Es werden so gut wie keine Härtefälle mehr anerkannt. Es besteht die Gefahr, „dass das Kirchenasyl ausgehungert werden soll“. In Rheinland-Pfalz wird seit Januar 2019 gegen fünf Pfarrer*innen wegen „Beihilfe zum illegalen Aufenthalt“ ermittelt. (taz 29.03.2019)

 

 

Dublin

 

Am 1. 9.1997 trat die erste Dubliner Vereinbarung - Dublin I – in Kraft. Sie regelte, welches Land in der EU für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist: Das muss der Staat durchführen, in den die/der Asylbewerber*in nachweislich zuerst eingereist und dort registriert worden ist (Aufnahme der Daten, Fingerabdruck). Dies gilt auch für Dublin III-Verfahren, das am 1.1.2014 in Kraft trat.

 

Außerdem ist jedes Land aber auch verpflichtet, einen Geflüchteten, der an seiner Grenze Asyl begehrt, zunächst hineinzulassen und dann zu prüfen, welches Land für das Asylverfahren zuständig ist. (Wikipedia, Stand 1.7.2018)

 

Das BAMF führt diese Prüfung durch und fragt in dem in Frage kommenden EU-Land nach, ob die/der Asylbewerber*in „zurückgenommen“ und dort das Asylverfahren durchgeführt wird. Innerhalb von 6 Monaten (ab Zustimmung des Ersteinreiselandes) muss das BAMF den Asylbewerber zurückschicken. Wird diese Frist versäumt, kann in D ein Antrag auf Durchführung des Asylverfahrens gestellt werden.

 

Vor einer Abschiebung in ein anderes EU-Land muss lt. Dublin jedoch geprüft werden, ob Asylsuchende dort Zugang zu Schutz erhalten können. (taz 30.08.2018)

 

 

  Dublin-Abkommen

Die Dublin-Regeln sind gültige EU-Rechtsgrundlagen für Entscheidungen – in der Praxis werden sie aber oft nicht mehr angewandt. Aus geografischen Gründen betreten Geflüchtete zuerst EU-Länder wie Italien, Griechenland, Spanien u.a. Das BAMF hat 2018 an Griechenland (als Erstaufnahmeland) 7079 Anträge zur Rücknahme von Geflüchteten gestellt. 183 Anträgen hat Athen zugestimmt, aber nur 6 Personen wurden tatsächlich nach Griechenland überstellt. (www.amp.welt.de 01.04.2019)

Andere EU-Staaten nehmen Geflüchtete nicht zurück, bieten keine rechtstaatlichen Verfahren oder es ist mit einer inhumanen Behandlung zu rechnen.

 

Der 7 Punkte umfassende Plan des für Migrationsfragen zuständigen EU-Kommissars, EU-gemeinsame Verordnungen im Asylrecht zu vereinbaren, ist bei der Sitzung in Brüssel am 7. März 2019 gescheitert: Ein Punkt des Plans ist, dass nicht mehr der Staat, den ein/e Asylbewerber*in zuerst betritt, für das Asylverfahren zuständig ist, sondern die Flüchtlingsagentur EASO (European Asylum Support Office soll festlegen, welcher Staat zuständig ist. (AZ 8.3.2019)

 

Wir GRÜNEN wollen,

  • eine Regelung, die alle europäischen Staaten verpflichtet, Verantwortung für Geflüchtete zu übernehmen
  • Zugang zu Rechtsberatung und
  • humanitäre Unterbringung gewährleisten
  • keine Transfer- oder Rückführungszentren.

 

 

 Duldung

 

Die Duldung gestattet Personen, deren Asylantrag abgewiesen wurde, bis zu ihrer Ausreise oder Abschiebung in Deutschland zu bleiben, ohne sich strafbar zu machen. Eine Duldung gilt teilweise nur wenige Tage bis maximal sechs Monate. Aus rechtlichen, humanitären oder gesundheitlichen Gründen kann sich eine Duldung aber auch über viele Jahre hinziehen (sogenannte „Kettenduldungen“).

 

Eine Duldung kann jederzeit fristlos widerrufen werden. Das bedeutet für die Betroffenen, dass sie jederzeit abgeschoben werden können. Juristisch wird Duldung als „Aussetzung der Abschiebung“ definiert – Geduldete haben also keinen rechtmäßigen Aufenthaltsstatus in Deutschland. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich illegal in D aufhalten!

 

Eine Arbeitserlaubnis können Geduldete nach 3 Monaten bei der jeweiligen Ausländerbehörde beantragen. Aber: Bis zum 15. Monat dürfen Antragsteller nur arbeiten, wenn sich kein geeigneter anderer Bewerber findet (Vorrangprüfung). Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis wird regional sehr unterschiedlich handhabt, in Bayern werden die gesetzlichen Bestimmungen sehr eng ausgelegt.

 

Für Duldungen von mehr als 8 Jahren gibt es seit August 2015 eine Neuregelung zum Bleiberecht: Es sieht vor, dass Erwachsene, die seit mindestens acht Jahren in Deutschland leben, gut deutsch sprechen, ihren Lebensunterhalt selbst sichern können und nicht straffällig geworden sind, ein Bleiberecht erhalten. Haben sie minderjährige Kinder, gilt eine Frist von sechs Jahren. Für Jugendliche wurde die Frist auf vier Jahre herabgesetzt. Mit dem neuen Gesetz sollten die sogenannten Kettenduldungen vermieden werden.

 

Geduldete, die nicht arbeiten dürfen, erhalten Leistungen nach dem >   Asylbewerberleistungsgesetz.